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Laguiole Geschichte, Tradition und Legenden


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"Der gepflegte Mann verlässt das Haus nie ohne sein Laguiole."

 
Geschichte

Das Laguiole stammt aus der Auvergne, einer Region in Zentralfrankreich, die für ihre schönen Landschaften und Vulkanketten, ihr Mineralwasser, den guten Käse sowie für das berühmten Messer bekannt ist.

Ein Laguiole wird in Frankreich grundsätzlich für alles eingesetzt: Traktorenreifen vom Lehm befreien, Huhn schlachten, Bohnen säubern, Nabelschnur vom frisch geborenen Kalb abschneiden usw. Mit einem Laguiole kann man aber auch einen schönen Abend mit Freunden bei Rotwein, bestem Käse, Saucissons und Baguettes stilgerecht abrunden. Und traditionsgemäß vergibt man einem wertvollen Laguiole sogar einen altmodischen Frauennamen: Lucienne, Joséphine, Noisette, Mireille, Antoinette usw.

 
1829

Die Auvergnats (die Menschen in der Auvergne) tragen stets ein Messer bei sich, das Capuchadou. Der kleine Dolch mit schlankem Griff und feststehender Klinge dient zugleich als Werkzeug, Waffe und Statussymbol.


Capuchadou (unbekannter Hersteller, Anfang des 19. Jahrhunderts)

Der junge Pierre-Jean Calmels setzt sich zum Ziel, das Capuchadou durch ein praktisches Klappmesser abzulösen. Inspiriert wird er vom katalonischen Klappmesser Navaja, das die Auvergnats aus Katalonien mitbringen, wo sie als Tagelöhner in den Wintermonaten arbeiten.

Navaja (unbekannter Hersteller, 1826)

Calmels gelingt es, ein Klappmesser mit einrastender Klinge und Griffschalen aus Horn zu fertigen. Das Laguiole ist geboren.


Laguiole (Coutellerie Calmels, Mitte des 19. Jahrhunderts)

 
1840

Die Nachfrage wächst. Erste Schmieden haben sich etabliert. Ein Laguiole ist noch von ausgesprochen einfacher und glatter Form und soll vor allem als praktisches Werkzeug dienen.
Nach und nach wird es entsprechend der unterschiedlichen Bedürfnisse angepasst und verfeinert.

Ein Beispiel: So erhält es auf Wunsch der Viehzüchter einen Dorn als zusätzliches Element (poinçon oder auch trokar genannt), der helfen soll, übermäßige Blähungen der Rinder zu bekämpfen.
Der sogenannte "Pansenstich" wird angewendet, wenn es beim Rind aufgrund von Gärungsprozessen im Pansen (einer der vier Mägen) nicht zur Gas-, sondern zur Schaumbildung kommt. Ursache für diese schaumige Gärung ist i. d. R. rohfaserarmes Futter. Gas kann vom Verdauungsapparat abgebaut werden, Schaum jedoch nicht. Mit dem Pansenstich wird dafür gesorgt, dass der Schaum in sich zusammenfällt, der Innendruck im Pansen also reduziert wird. Der Dorn erweist sich gleichzeitig als gutes Allzweckwerkzeug für Sattler, um Löcher in Leder zu stanzen und für Reiter und Kutscher, um Steine aus den Pferdehufen zu entfernen.



Schmied beim Formen einer Klinge (Coutellerie Sauzède-Péaloux, Anfang des 20. Jahrhunderts)
© Musée de la Coutellerie, Thiers

 



Schmied beim Härten der Klingen (Postkarte, Anfang des 20. Jahrhunderts)
© Musée de la Coutellerie, Thiers

 
1850

Das Laguiole wird als „une pièce“ (Messer mit einer Klinge) gefertigt, als „deux-pièces“ (Messer mit einer Klinge und einem zusätzlichen Element, bspw. einem Dorn) sowie schließlich als „troix pièces“ (Klinge, Dorn und eine kleine Korkenzieherspirale auf dem Rücken – heute nur noch Verzierung, also kein wirklicher Ersatz für einen Korkenzieher bzw. Sommelierbesteck). Der Griff wird erstmals mit massiven Heftbacken (frz. mitres) aus Messing stabilisiert, später aus Neusilber (frz. Maillechort).

 
1880

Das Capuchadou wurde inzwischen vom Laguiole endgültig abgelöst. Die Schmieden fertigen jetzt Sommelierbestecke, unverzichtbare Werkzeuge für die Auvergnats, die nach Paris ziehen, um sich dort als „Limonadiers“, „Brasseurs“ oder „Restaurateurs“ zu versuchen.

Geschmiedetes Laguiole Sommelierbesteck mit Griffschalen aus Ebenholz (Laguiole en Aubrac)

Ein Laguiole ist etwas kostbares, einzige Erinnerung an die Heimat und zugleich regelrechtes Erkennungszeichen für die Menschen aus der Auvergne. Es entwickelt sich zum Prestige- und Sammlerobjekt. Feine Ziselierungen, Ornamente und neue Materialien wie exotische Hölzer und Elfenbein kleiden das Heft des begehrten Messers. So geht der Ruhm des Laguiole inzwischen weit über die Auvergne hinaus.



La fée aux couteaux
(Gravur aus dem Katalog der Schmiede Bourgade-Tarry, 1904)
© Musée de la Coutellerie, Thiers

Die von Laguiole aus etwas nördlicher gelegene Stadt Thiers fertigt seit Anfang des 15. Jahrhunderts Messer und Scheren. Vergleichbar mit Solingen ist sie in Frankreich die „capitale de la coutellerie“ (auch heute noch mit inzwischen über 500 Jahren Geschichte). Rund um Thiers übernehmen nun mehr und mehr Schmieden die Fertigung des Laguiole Messers. Für den Antrieb der Schleifsteine und der neu eingeführten Fallhammer ist das starke Gefälle des Flusses Durolle optimal.



Die Forge Delaire war eine der ersten Schmieden, die sich am Ufer der Durolle, in der Nähe von Thiers niederließen. Dunkelheit, ohrenbetäubender Lärm und eine kaum auszuhaltende Hitze prägten das Arbeitsleben in den Schmieden.
(Öl auf Leinwand, A. Bauré 1912)
© Musée de la Coutellerie, Thiers

 



"Polisseurs" der Schmiede Sarry, 1930
Die Maschinen werden vom Wasser der Durolle über Wassermühlen und Lederriemen angetrieben.
© Musée de la Coutellerie, Thiers
 



Die gängigsten Materialien für die Griffschalen waren Horn und Knochen. Die "façonneurs" arbeiteten ständig in einer dichten Staubwolke. Viele wurden lungenkrank.
© Musée de la Coutellerie, Thiers

 



Die Klingenschleifer (frz. émouleurs) lagen auf dem Bauch, unter ihnen die Schleifsteine. So konnten sie die Klingen genauer führen und mehr Druck auf ihnen ausüben. Die meisten Schleifer brachten ihren abgerichteten Hund mit. Der legte sich auf den Rücken des Schleifers, das half gegen Rheuma.
© Musée de la Coutellerie, Thiers

 



Der "garçon de boutique" rechts (auch "chien de boutique" genannt) überprüft die Justierung eines Messers
© Musée de la Coutellerie, Thiers

 



Links: Polisseuse aus der Schmiede C. Gognet beim Polieren der Messer.
Rechts: Essuyeuse und emballeuse beim Reinigen und Verpacken der Messer
© Musée de la Coutellerie, Thiers

 



Die boutique der Schmiede Calmels (Postkarte, unbekannt)
 



Anlässlich der fête de St.-Eloi schlachteten die Arbeiter ein Schwein und feierten im Hof ihrer Schmiede
© Musée de la Coutellerie, Thiers
 



Seit 1576 ist jede Schmiede dazu verpflichtet, ihre Produkte mit einem Symbol (Logo) zu markieren.
Jede Marke wird auf Bleitafeln registriert. Die fünffach verschlossenen Tafeln mit insg. mehreren Tausend Marken wurden dem ältesten Maître Coutellier zu Aufbewahrung anvertraut.
© Musée de la Coutellerie, Thiers

 
1920

Auf Verlangen der Kunden werden nun auch Laguiole Küchenmesser, Bestecke und andere hochwertige Produkte gefertigt. Das Messer selbst wird mehr und mehr veredelt. So werden handgeschmiedete, 300-lagige damaszener Klingen und kostbare Materialien wie bspw. Elfenbein oder Schlangenholz verarbeitet.



Laguiole mit Griffschalen aus Elfenbein und Damastklinge (Laguiole en Aubrac)


heute

Der „Rolls Royce“ des Taschenmessers, wie ein Laguiole gerne genannt wird, hat seinen Platz weltweit eingenommen. Prominente wie Michael Schumacher oder Sean Connery besitzen dieses Kultobjekt. Französische Politiker verschenken sie an Gäste auf Staatsbesuch. Sommeliers öffnen die vorzüglichsten Jahrgänge mit ihrem Laguiole. Modeschöpfer und Architekten entwerfen neue Modelle. Im Museum of Modern Art, New York wird das Messer geehrt, in Sterne-Restaurants aufgetischt, in der Küche, bei der Jagd, auf dem Land oder in der Stadt genutzt. Ja, nutzen sollte man es.

Das Laguiole ist unentbehrlicher Begleiter für jedermann, ein "Muss" für jeden Franzosen. Es steht wie kaum ein anderer Gegenstand für das sprichwörtliche "savoir vivre".

 

Tradition

Traditionelle Gepflogenheiten rund um das Laguiole Messer sind von tiefem Glauben und inzwischen überholtem Patriarchatsdenken geprägt. Gültigkeit haben sie bei vielen Laguiole Besitzern dennoch nach wie vor, wenn auch in abgeschwächter bzw. nicht so ernst genommener Form. Nachfolgend ein paar Beispiele.

  • Einem wertvollen Laguiole vergibt man einen klassischen, das heißt einen eher „altmodischen“ Frauennamen (Lucienne, Joséphine, Mireille, Antoinette usw.). In dem Zusammenhang: Sog. "Messer-Taufen" die über Internet (kostenpflichtig) angeboten werden, sind weder "authentisch" noch seriös. Ob ein Laguiole einen Namen erhält und wenn ja, welchen, ist die vertrauliche Angelegenheit des Besitzers.
  • Man pflegt sein Laguiole, behält es sein Leben lang und vererbt es dem ältesten Sohn. Heutzutage darf es Gott sei Dank auch die älteste Tochter erhalten.
  • Am Tisch segnet der „Herr des Hauses“ das Brot vor dem Essen, indem er mit seinem Laguiole ein Kreuz auf die Unterseite des Brotleibs zeichnet. Mit einem kurzen, „trockenen“ Schlag lässt er anschließend die Klinge zuschnappen. Damit wird das Tischgebet eingeleitet und gleichzeitig betont, wer im Hause das Sagen hat. Erst dann darf das Essen von den Frauen serviert werden, während die Männer Ihre Unterhaltung beginnen.
  • Anlässlich der ersten Kommunion oder spätestens zu seinem zwölften Geburtstag bekommt ein Junge von seinem Vater ein Laguiole geschenkt. Das ist ein Zeichen für Vertrauen, nicht nur in der Hinsicht, dass der Junge gefahrlos mit einem Messer umgehen kann, sondern dass er sich zunehmend als würdiger Nachfolger des Vaters schützend um die Familie kümmern wird.
  • Der alte Aberglaube: Ein verschenktes Messer trennt die Freundschaft oder die Liebe zum Beschenkten. Aus Tradition übergibt die beschenkte Person dem Schenkenden ein Geldstück, um diese schlimme Folge abzuwenden. So hat er das Messer „gekauft“.

 

Legenden

Biene oder Fliege?

Diese Frage hat bis heute zu zahlreichen Grundsatzdiskussionen und heftigen Streitigkeiten unter Experten geführt. Nach wie vor bleibt sie unbeantwortet.

Eine Legende besagt, dass Napoleon I. den Auvergnats das Recht verlieh, Laguioles mit einer Biene zu verzieren, aus Dankbarkeit für den Mut und die Tapferkeit, die die Männer als Soldaten oder Söldner während der Feldzüge und Schlachten bewiesen hatten. Die Biene ist ein zentrales Element des napoleonischen Wappens und „privat“ trug Napoleon eine goldene Brosche in Bienenform am Revers seines Mantels.

Eine andere Legende besagt, dass Napoleon III. die Biene als Pflichtverzierung angeordnet hatte.

In der „langue d’oc“, dem okzitanischen Dialekt, heißt die Biene abelha (frz. abeille). „Abehla“ (erw. „lo beyro“), bezeichnet in der Fachsprache der Schmiedemeister den Kopf bzw. die Ummantelung des Gelenks eines Messers.

Für die Fliege (frz. mouche) spricht wiederum die Tatsache, dass ein Laguiole Messer (ebenfalls in der Fachsprache der Schmiedemeister) anfangs zu der Gattung der „couteaux à mouche“ gehörte. Um die ausgeklappte Klinge zu entriegeln, musste man ein kleines Dreieck (mouche) nach hinten ziehen. Heute sind Laguioles „couteaux à cran forcé“, d. h. die Klinge lässt sich ohne Hilfsmittel ver- und entriegeln. Die Fliege hat somit ihre funktionale Bedeutung verloren.

Wie auch immer, für Pierre Calmels, Sohn des Laguiole Erfinders Pierre-Jean Calmels, steht fest: Es kann sich nur um eine Biene handeln, alternativ eine Jakobsmuschel oder ein Kleeblatt. Ein so hochwertiges und begehrtes Messer darf jedenfalls nicht mit einer ordinären Fliege verziert werden. Das Insekt muss ein edles sein, also eine Biene.
 
 
Hirtenkreuz, Rosenkranz, Rosette

Das Heft eines Laguiole trägt auf einer Seite das traditionelle "Hirtenkreuz" aus feinen Messing-Metallstiften. Die Hirten, die einst einsam auf den Hochebenen der Auvergne bei ihren Tieren bleiben mussten, rammten die Messerklinge in den Boden, um so vor ihrem Kreuz zu beten. Die Verzierung des Hefts kennt 18 verschiedene Formen, u. a. das christliche Kreuz, das symmetrische Kreuz, den Rosenkranz und die Rosette.

 
Zur Übersicht der Laguiole Produkte

 
Weiterführende Informationen:

1. Achtung vor Kopien und Billigprodukten! Worauf Sie beim Kauf eines Laguiole achten sollten

2. Laguiole Geschichte, Tradition und Legenden

3. Was Sie über die Schmiede Laguiole en Aubrac wissen sollten

4. Laguiole Materialkunde / Individuelle Sonderanfertigungen

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